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Prof. Dr. Thomas Hoeren vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster hat eine aktualisierte Fassung seines Skripts Internet-Recht veröffentlicht.

Auf über 500 Seiten widmet er sich den Themen Namensrechte, Urheberrecht, Werbung und Vertragsabschluss, Datenschutzrecht, Haftung von Online-Diensten und Strafrecht im Internet inklusive Formulierungsvorschlägen, Gestaltungshinweisen und Musterverträgen.

Gegenüber der vorigen Fassung seien 300 Urteile und Literaturfundstellen ergänzt worden sowie die Novellierungen des Bundesdatenschutzgesetzes eingeflossen, berichtete Heise Online.

UPDATE 09.10.2010: Die aktualisierte September-Fassung des Skripts Internet-Recht liegt nun vor und bietet Überarbeitungen im Hinblick auf die neuen Rom-I- und Rom-II-Verordnungen sowie zu De-Mail . Neu aufgenommen wurden u.a. Themen wie Zugangserschwerungsgesetz , Vorratsdatenspeicherung und Leistungsschutzrecht .


Haitis Top Level Domain (TLD) arbeitet mit Einschränkungen auch nach dem verheerenden Erbeben weiter , berichtete Heise Online am heutigen Tage. Nachdem sich vier der sechs Nameserver nicht auf der Insel befänden, arbeite die TLD weiterhin.

Im ersten Augenblick ist man vielleicht geneigt zu denken, dass Haitis Bewohner momentan ganz andere Probleme hätten, dennoch ist funktionierende Kommunikationsinfrastruktur für die Katastrophenhilfe wesentlich . Auch ein Ausfall der ".ht" TLD wäre sicher nicht so dramatisch gewesen, der Verlust der Verbindung zur Außenwelt stellt hier ein wesentlich größeres Problem dar. Dennoch stellt das Domain Name System das Herz des Internets dar, Dienste wie WWW oder Email sind ohne das DNS nicht oder nur erschwert nutzbar, es gibt deshalb gute Gründe, dass es redundant und geographisch verteilt betrieben wird.

UPDATE 20.01.2010: Link zu "OpenStreetMap-Projekt als Katastrophenhelfer " oben eingefügt.


Seit die DeNIC , eine Genossenschaft zur Verwaltung der länderspezifischen Top-Level-Domain Deutschlands (.de) ankündigt hat, dass bald Domainnamen, die nur aus Ziffern bestehen, bestimmte vorher nicht registrierbare reservierte Domains, und Domainnamen die aus weniger als 3 Zeichen bestehen bald zur Registrierung verfügbar sein würden, war der Goldrausch im Lager der Domain-Grabber wohl kaum mehr zu bremsen.

Das Problem des deutschen Domainnamenssystems ist, das im Gegensatz zu anderen Ländern ein direkter Zugang zur NIC lediglich den Mitgliedern der Genossenschaft möglich ist, d.h. Mitglieder der Genossenschaft stehen "höher in der Nahrungskette" als Normalsterbliche oder kleine Provider, die sich eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft nicht leisten können oder wollen. Es steht also zu Befürchten, das sich Mitglieder der Genossenschaft ein grosses Stück vom Kuchen abschneiden werden.

Zudem sind einige Domainnamen aus gutem Grund reserviert und von einer Registrierung ausgeschlossen, wie beispielsweise "com.de", "net.de", "org.de", "edu.de", "mil.de" oder "gov.de". Der Besucher erwartet hier nämlich bestimmte Arten von Organisationen, wie unter entsprechenden internationalen TLDs, oder wie auch bestimmten anderen Ländern üblich. Deutschland nimmt auch hiermit eine weltweite Sonderrolle ein. Die Freigabe dieser Domains liegt wohl nicht im Interesse des Verbraucherschutzes, schon eher im Interesse der 20 Mio. €, auf die das Marktvolumen der neu registrierbaren Domains geschätzt wird . Kein Wunder, wenn da Preise von mehreren zehntausend Euro für bestimmte Domains kursieren.

Es steht auch zu befürchten, daß eine große Menge von Domains einfach von denjenigen gehortet werden, die die Möglichkeit dazu haben, ohne dass das geringste legitime Interesse am Besitz des Namens besteht. Abkürzungen mit zwei Buchstaben passen auf vieles, bespielsweise auf Kfz-Kennzeichen, deren Registrierung vorher gar nicht möglich war, Zahlenkombinationen können Postleitzahlen oder Vorwahlen wiederspiegeln. Da findet sich schon irgendwie ein Käufer, und die Registrierung und Aufrechterhaltung kosten paar lumpige Cents im Jahr.

Da Internet-Domains inzwischen zu so einer Art Marke im Internet geworden sind, sollte man sich fragen, ob man nicht erstens die Schutzfähigkeit und legitimes Interesse überprüft, und zweitens eine Art Benutzungszwang analog zum Markenrecht einführt, um solche Auswüchse zu verhindern oder wenigstens einzudämmen. Mit der neuen Registrierungs-Policy dürfte wohl eine Menge Zusatzarbeit auf die Gerichte zukommen...

UPDATE 23.10.2009: Es kam wie es kommen mußte, über 10000 Domains in 90 Minuten automatisiert unter den Nagel gerissen.

UPDATE 23.10.2009: Besonders schön: DeNIC trägt sich selbst als Eigentümer der Domain "de.de" ein , noch vor dem offiziellen Start der neuen Domains, und dies obwohl die DeNIC dies satzungsmäßig nicht dürfe. Hier liegt der Gleiche Interessenskonflikt zu den Genossenschaftsmitgliedern vor, wie zwischen Genossenschaftsmitgliedern und Normalsterblichen.

UPDATE 24.10.2009: Wie es kommen mußte: De-Kurzdomains sehr ungleich verteilt , ein Anbieter hat sich 28% der neuen Domains gesichert.

UPDATE 28.10.2009: Wie es kommen mußte: De-Kurzdomains in die USA abgezogen und auf Briefkastenfirmen umgeschrieben

UPDATE 18.11.2009: Wie es kommen mußte: Die Domain "de.de" sei nun auf die österreichische österreichische "Space Monkey GmbH" überschrieben worden, als Admin-C sei mit Bernhard Syndikus ein "alter Bekannter" eingetragen, wie Thomas Stadler schreibt. Ein Schelm wer denkt, dies sei womöglich eine ideale Phishing-Domain oder hier sei etwas nicht mit richtigen Dingen zugegangen.

UPDATE 14.12.2009: Wie es kommen mußte: Der Inhaber der Domain "co.de" hofft wohl auf die Verwechslung mit einer richtigen Toplevel-Domain und gibt Unterdomains für günstige 99€ ab.



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