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Ponemon und McAfee: Aktuelle Studien zur IT-Sicherheit in der Energie- und Wasserwirtschaft

Diesen Monat haben zwei Institutionen unabhängig voneinander Studien zur IT-Sicherheit in der Energiewirtschaft bzw. in der Energie- und Wasserwirtschaft veröffentlicht. Deren wichtigste Ergebnisse will ich im Folgenden zusammenfassen und einordnen. Insgesamt waren die Ergebnisse aus meiner Sicht wenig überraschend.

Q1 Labs/Ponemon Institute Studie

In einer von Q1 Labs und dem Ponemon Institute durchgeführten Studie wurden international 291 zufällig ausgewählte IT-Verantwortliche aus der Energiewirtschaft befragt. Die Studie kommt u.a. zu folgenden Ergebnissen:

  • 75% der Organisationen hätten mindestens einen erfolgreichen Cyberangriff in den letzten 12 Monaten verzeichnet
  • 71% der IT-Verantwortlichen sagten, Ihr Management verstünde oder würdige IT-Sicherheit nicht
  • 72% sagten, bisherige Ansätze seien nicht effektiv, aussagekräftige Daten über tatsächliche oder mögliche Attacken (z.B. Echtzeitalarme, Bedrohungsanalysen und Priorisierung) zu erhalten
  • nur 21% glaubten, dass ihre existierenden Mechanismen ausreichend seien, um Attacken aus SmartGrids oder von SmartMeter -verbundenen Geräten zu verhindern
  • nur 39% glaubten, gegen Advanced Persistent Threats (APTs ) ausreichend abgesichert zu sein
  • 67% seien eigenen Angaben zufolge nicht auf dem aktuellen "Stand von Wissenschaft und Technik "

McAfee/CSIS Studie

In einer zweiten, von McAfee und dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) durchgeführten Studie wurden die Antworten von 200 zufällig ausgewählte Führungspersonen privater Betreiber aus der Energie- und Wasserwirtschaft in insgesamt 14 Ländern analysiert. Um einen vollständiges Bild erfassen zu können, habe ich die Veröffentlichung der gesamten Studie in der Woche vor Ostern abgewartet, statt die auszugsweise Vorab-Berichterstattung anderer Medien aufzugreifen.

Mehr Erpressungen, mehr Angriffe, neue Risiken

  • 25% wären Opfer von Erpressungen innerhalb der letzten 24 Monate geworden, 2009 lag die Zahl noch bei 20%. Regional angeführt würde die Statistik von Mexiko und Indien, wo gar 80% bzw. 60% Opfer von Erpressungen gewesen seien.
  • die Frequenz der Angriffe steige
  • die Einführung von SmartGrids und SmartMetering würde das Risiko zusätzlich erhöhen

Stuxnet: Infektionszahlen und Konsequenzen

Der berüchtigte Stuxnet-Wurm sei

  • bei rund 40% aller befragten Unternehmen gefunden worden
  • mit 46% aller Unternehmen sei die Elektrizitätsbranche besonders betroffen gewesen
  • Spiegel Online hatte unter Berufung auf McAfee vorab berichtet , in Deutschland seien gar 59% der Energie- und Wasserversorger befallen gewesen; in der Studie selbst finden sich jedoch keine auf Länder heruntergebrochenen Zahlen.

Die größten Konsequenzen aus dem Stuxnet-Vorfall seien in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Italien und Japen gezogen worden, die vergleichsweise geringe Infektionszahlen gehabt hätten. Diese gehören jedoch zu den Staaten, die lt. der Studie allgemein die meisten Sicherheitsmaßnahmen implementiert hätten, mehr dazu im Folgenden.

Risikoeinschätzung der Branche und Realität

  • Malware: fast 80% sähen sich "sehr gut" oder "gut" vorbereitet, dennoch wurden 40%+ alleine Opfer von Stuxnet (Gesamtzahlen inklusive anderer Malware liegen leider nicht vor). Hinzu kommt, dass Stuxnet über ein Jahr sein Unwesen treiben konnte, ohne das irgendjemand etwas bemerkt hatte. Gute Vorbereitung sieht m.E. anders aus.
  • Netzwerkeinbrüche: knapp über 60% sähen sich "sehr gut" oder "gut" gewappnet, dennoch wurden 85% Opfer eines solchen Angriffs. Die o.g. Einschätzungen aus der Ponemon-Studie scheinen ebenfalls ein deutlicher Widerspruch zu diesem Wert zu sein.
  • Denial of Service (DoS ): lediglich ca. 50% sähen sich "sehr gut" oder "gut" vorbereitet, 80% wurden in der Praxis mit dem Problem konfrontiert, über die Auswirkungen gibt es aber leider ebenfalls keine Daten.

Erstaunlich finde ich hier, dass sich 80% bzw. 60% Malware und Netzwerkeinbrüchen entspannt gegenüber sehen, während dies bei der aus meiner Sicht wesentlich geringeren und einfach zu beseitigenden Gefahr der DoS-Attacken nur bei 50% der Fall ist. M.E. zu Recht werden in der Studie DoS-Attacken als "Kinderkram" bezeichnet, verglichen mit moderner Malware.

Besonders bei den Themen Malware und Netzwerkeinbrüchen legen die Zahlen auch eine deutliche Schere zwischen "gefühlter" und "realer" Sicherheit nahe. Dies bestätigt meine schon häufig geäußerte Beobachtung eines überzogenen Glaubens an Firewalls und Virenscanner .

Regional gibt es ebenfalls interessante Beobachtungen:

  • in Brasilien, wo 2005 und 2007 große Stromausfälle beobachtet wurden, die nicht wenige Experten auf Malware-Befall zurückführen, fühlen sich 91% unvorbereitet für Malware-Attacken
  • in Australien, wo große Aufklärungskampagnen in Sachen Cybersecurity und Schutz kritischer Infrastrukturen seitens der Regierung durchgeführt wurden, fühlten sich 90% unvorbereitet auf Netzwerkeinbrüche

Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen zu langsam

Alle Branchen hätten die Sicherheitsmaßnahmen seit 2009 erhöht. Gemessen wurde hier jedoch nur die Zahl der eingesetzten Technologien, nicht jedoch deren Effizienz, Ausgewogenheit oder technische und organisatorische Umsetzung. Diese Zahlen können also nur als Anhaltspunkt zur Sicherheitslage gesehen werden und geben nicht unbedingt direkt Auskunft über das absolute Sicherheitsniveau.

  • die Wasserver- und Entsorgungsbranche hätten nominell die meisten zusätzlichen Maßnahmen von 38% auf 46% verzeichnet, bildeten aber dennoch weiter das Schlusslicht unter den untersuchten Branchen
  • Öl und Gas hätten nominell von 45% auf 48% zugelegt
  • die Elektrizitätsbranche hätte sich von 50% auf 51% nominell lediglich minimal gesteigert

Die Studie kommt dabei zu dem Schluss, dass die Adaption von Sicherheitstechnologien mit dem Fortschreiten der Bedrohungslage nicht Schritt halten könne.

Regional gibt es ebenfalls signifikante Unterschiede:

  • China (59%), Italien (55%) und Japan (54%) führten die Statistik an
  • Mexiko, Frankreich und Brasilien bildeten die Schlusslichter
  • die restlichen Staaten, u.a. Deutschland, lägen im Mittelfeld um 43%

Staatliche Kontrolle und Regulierung

Staatliche Audits sind in vielen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß üblich.

  • Japan (100%), China (70%) und die Vereinigten Arabischen Emirate (ca. 65%) hätten hier die höchsten Quoten
  • Deutschland läge mit 40% abermals im Mittelfeld
  • die geringste Anzahl staatlicher Audits fänden in Italien, den Vereinigten Staaten, Spanien und im Vereinigten Königreich statt

Interessanter Weise stiege das Vertrauen in staatliche Institutionen mit der Dichte der Kontrollen. Einen Ausnahmestatus hätte das japanische Modell inne, bei dem man durchgängig auf "Public-Private Partnerships" setzte, die die Autonomie der Infrastrukturbetreiber ausdrücklich anerkennen, und eher motivieren statt regulieren möchten.

Staaten als Bedrohung

Die Unternehmen befürchteten auch Spionage oder Sabotage fremder Staaten. Dies ist nicht verwunderlich, können Cyberwaffen doch – im Gegensatz zu konventionellen – mit relativ geringem Budget auch von kleineren Staaten hergestellt werden, und ohne wesentlich erhöhten Aufwand mehrere Ziele parallel anvisieren.

  • China (30%), Russland (16%), die Vereinigten Staaten (12%) und Nordkorea (11%) würden global am häufigsten gefürchtet
  • die deutlichste Veränderung hätte sich bei den Vereinigten Staaten (12%) ergeben, die 2009 noch von 36% gefürchtet worden wären

Naturgemäß gibt es besonders hier regional signifikante Unterschiede

  • in China sähen 3/4 die Vereinigten Staaten als größte Gefahr
  • in Japan hätten 2/3 aller Befragten China oder Nordkorea als am gefährlichsten benannt
  • in den Vereinigten Arabischen Emiraten sähen 2/3 die Nachbarn im Mittleren Osten mit Argwohn
  • in Australien sähe man Russland als größte Bedrohung (40%)
  • in Indien fürchtete man erstaunlicher Weise das Vereinigte Königreich (fast 1/3) deutlich mehr als China (14%)

Fazit

Mit zunehmender Aufklärung oder praktischer Konfrontation mit einem konkreten Problem steigt auch das Risikobewusstsein der Unternehmen. Dies untermauern auch die o.g. Beispiele von Brasilien und Australien. Nicht selten sind auch Kommunikationsprobleme zwischen IT-Bereich und Management die Ursache für mangelnde oder wenig sinnvolle Investitionen in die Sicherheit, was auch die Ponemon-Studie verdeutlicht.

In unseren Security Audits und Penetrationstests setzen wir theoretische Szenarien praktisch um und veranschaulichen damit, wie ein Angriff durch Insider, Hacker oder Schadsoftware ablaufen würde und welche Konsequenzen dies hätte. Hieran lassen sich die Effizienz vorhandener Sicherheitstechnik oder geplanter Anschaffungen praktisch erfassen und eventuell vorhandene Schutzlücken aufdecken. IT-Abteilungen können so Ihr Management effektiv von der Notwendigkeit einer Maßnahme überzeugen. Umgekehrt kann das Management den Nutzen der Maßnahmen der IT-Abteilungen direkt nachvollziehen. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, gerne beraten wir Sie individuell, schulen Ihre Mitarbeiter, oder geben verbindliche Gutachten (z.B. herstellerneutrale Produktvergleiche, Aufwand/Nutzen, Machbarkeit, Strategieempfehlungen) zu geplanten Maßnahmen ab.

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