Forensic Investigations / Fi Blog

Fi Blog

Was Insidern längst bekannt ist, sickert nun in immer mehr Meldungen auch an die Breite Öffentlichkeit . Geheimdienste, Ermittler und Personalchefs benutzen die sozialen Netzwerke, um Meinungen, Beziehungsgeflechte und Aufenthaltsorte bestimmter Zielpersonen zu verfolgen.

Unter dem Stichwort "Open Source Intelligence" verdienen auch immer mehr Hersteller sehr gut an Auswertungssoftware, die mit einem Mausklick sämtliche offen verfügbaren Informationen aus Personensuchmaschinen, sozialen Netzwerken, Twitter, Newsgroups, IRC-Kanälen und vielen anderen frei verfügbaren Quellen grafisch aufbereitet und entsprechende Verknüpfungen herstellt.

Populäre Software zur Herstellung von Phantombildern kann längst mit der Google Bildersuche oder Facebook kombiniert werden, um Verdächtige aufzufinden, selbst frei verfügbare Handy-Software kann Personen vor der Kamera identifizieren .

Nicht zuletzt ist ja auch über die von Cryptome.org veröffentlichten Dokumente genau bekannt, welche Daten die sozialen Netzwerke verarbeiten, und welche Schnittstellen sie den Ermittlern dafür anbieten. Wenn sich also ein verdächtiger Mafiosi per Facebook-Tracking erwischt wird, ist er wohl wahrscheinlich im sprichwörtlichen Sinn dümmer als die Polizei erlaubt.


Microsoft ließe die Whistleblower -Website Cryptome.org über den sogenannten "DMCA Takedown Request" (Unterlassungsersuchen gegen den Provider eines Urheberrechtsverletzers) vom Netz nehmen, berichtete Heise Online.

Der Grund wäre die Veröffentlichung des 'Microsoft Online Services Global Criminal Compliance Handbook', sowie einiger Dokumente zur Forensik von Windows 7, die eigentlich polizeilichen Ermittlern und Geheimdiensten vorbehalten bleiben sollten.

Während die Dokumente zu Windows 7 keine besonderen Informationen liefern, die man nicht auch sonst öffentlich bei Microsoft einsehen könnte, wird im 'Global Criminal Compliance Handbook' erstmals genau dokumentiert, welche Daten seiner Nutzer Microsoft über seine Online-Dienste wie den Email-Dienst MSN Hotmail, den Authentifizierungsdienst Windows Live ID, den Online-Festplatten Office Live Workspace & Windows Live SkyDrive sowie den Online-Gaming-Dienst Xbox Live überhaupt erhebt und wie lange das Unternehmen sie speichert. Ähnliche Dokumente waren auch zu anderen Online-Diensten durchgesickert, darunter Facebook, MySpace, Skype und PayPal, um nur die in Deutschland populärsten zu nennen.

Noch ein paar Informationen zum Hintergrund: Cryptome.org ist eine seit 1996 aktive Whistleblower-Website des Aktivisten John Young, die bereits 1999 in die Schlagzeilen geriet, als sie 100 Namen angeblicher Agenten des britischen Geheimdiensts MI6 veröffentlicht hatte. Sie wurde 2003 Opfer eines Defacements und 2007 vom ihrem damaligen Hostprovider Verio wegen angeblicher Verletzung der Nutzungsbedingungen hinausgeworfen .

Bereits im November 2009 hatte Cryptome.org Ärger mit Microsoft wegen der Veröffentlichung des Ermittler-Tools Microsoft COFEE , wie ich berichtet hatte.

UPDATE 26.02.2010: Microsoft habe es sich offenbar kurzfristig anders überlegt und zöge die Beschwerde zurück

UPDATE 08.03.2010: PayPal schlüge auch zu und fröre den Account von Cryptome.org ein

UPDATE 10.03.2010: Obwohl PayPal öffentlich bekannt gegeben habe, der Account sei wieder geöffnet worden, habe John Young weiterhin keinen Zugriff darauf. Er habe PayPal daraufhin als "Lügner, Betrüger und Verbrecher" bezeichnet .

UPDATE 11.03.2010: PayPal habe den Account nun wirklich wieder geöffnet

UPDATE 16.03.2010: PayPal habe sich nun entschuldigt



Hier finden Sie aktuelle Themen und Hintergründe rund um Sicherheit, Internet und Recht, das Sachverständigenwesen und die Computer-Forensik.

Mon Di Mi Do Fr Sa So
      1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31